Massentourismus und Seenotrettung mithilfe von Fachwissen und Daten in Einklang bringen

Publiziert am 29.01.2026
Naturräume

Der Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft eröffnete im Oktober 2023 die Seebrücke in Prerow. Mit einer Länge von 720 Metern und einem Investitionsvolumen von rund 46 Millionen Euro entwickelte sie sich innerhalb weniger Monate zu einer der Hauptattraktionen an der Ostseeküste. Laut lokaler Presse zog die Seebrücke kurz nach Eröffnung mehr als 100.000 Besucher an.

Doch die Seebrücke ist weit mehr als ein touristisches Highlight. Sie übernimmt zugleich eine zentrale Funktion für die Sicherheit auf See: Als wichtiger Stützpunkt für Rettungseinsätze muss sie auch bei hohem Besucheraufkommen jederzeit für Einsatzfahrzeuge zugänglich bleiben. Für die Parkverwaltung wurde es daher unerlässlich, die Fußgänger- und Radfahrerströme präzise zu erfassen. Nur so lassen sich potenzielle Engpässe frühzeitig erkennen und ein reibungsloser Ablauf von Rettungsmaßnahmen auch bei Spitzenbelastungen sicherstellen.

Die Herausforderungen

Die Herausforderungen für den Park waren vielfältig und eng miteinander verknüpft:

  • Sicherheit und Verkehr : Auf der 720 Meter langen Seebrücke, die sich rasch zu einem stark frequentierten Ort entwickelte, konnten große Menschenmengen den Zugang für motorisierte Rettungskräfte behindern. Bei einem Seenotfall oder Unfall zählt jede Minute. Die Sicherstellung eines jederzeit freien Durchgangs war daher von zentraler Bedeutung.

Touristes sur la Seebrücke de Prerow© Quelle: Stefan Sauer/dpa

  • Zuverlässigkeit der Daten : Zwar existierten Schätzungen zu den Besucherzahlen, etwa rund 750.000 Besucher pro Jahr auf der Seebrücke im Jahr 2024. Es fehlten jedoch verlässliche Systeme, um die Besucherströme präzise zu differenzieren – insbesondere zwischen Fußgängern, Radfahrern und Dienstfahrzeugen. Ebenso unklar war, zu welchen Tageszeiten und unter welchen Bedingungen (Licht, Wetter, Besucher­dichte) die Seebrücke genutzt wurde.
  • Wahrung von Glaubwürdigkeit und Vertrauen : Als langjähriger Partner von Eco-Counter erwartete die Parkverwaltung eine belastbare und zuverlässige Lösung. Ein System, das die Erwartungen nicht erfüllt, hätte das Vertrauen nachhaltig beschädigen können. Dieses Vertrauen war jedoch eine wichtige Voraussetzung – sowohl für die Akzeptanz neuer Sicherheitsprotokolle als auch für die Legitimität administrativer Entscheidungen gegenüber Öffentlichkeit und politischen Entscheidungsträgern.

ilse-orsel-e4FgfsZoXGE-unsplash© Ilse Orsel | unsplash

Die Lösung

Um diesen Herausforderungen zu begegnen, entschied sich der Park für die fortschrittliche KI-basierte Zähllösung CITIX-AI Evo von Eco-Counter. Die Anforderungen waren hoch: eine präzise Unterscheidung zwischen Fußgängern, Radfahrern und Dienstfahrzeugen, die Bereitstellung von Echtzeitdaten sowie eine hohe Widerstandsfähigkeit gegenüber den anspruchsvollen Licht- und Wetterbedingungen eines Küstengebiets.

Illustration de la technologie CITIX-AI EvoIllustration der CITIX-AI Evo-Technologie.

In der Praxis erfüllten die ersten Installationen diese Erwartungen jedoch nicht sofort. Die Ausrichtung der Sensoren gegen die Sonne und die starken Reflexionen des Wassers führten zu Fehlklassifizierungen: Fußgänger wurden teilweise als Radfahrer erkannt, sogenannte „Geisterfahrzeuge“ tauchten in den Daten auf, und einzelne Unterbrechungen machten sogar einen Neustart aus der Ferne erforderlich.

An diesem Punkt zeigte sich der eigentliche Mehrwert von Eco-Counter. Das Unternehmen agierte nicht nur als Sensorlieferant, sondern mobilisierte seine gesamte Begleit- und Betreuungskette:

  • Begleitung der Parkmanager : Gemeinsame Neupositionierung der Sensoren, Anpassung von Winkel und Montagehöhe sowie der Abgleich von Videoaufnahmen mit den Zähldaten, um Abweichungen und Fehlermargen präzise zu identifizieren.
  • F&E-Intervention: Das auf Computer Vision spezialisierte Lab-Team von Eco-Counter analysierte die erkannten Anomalien und optimierte die Erkennungsalgorithmen gezielt, um die Klassifizierungsgenauigkeit zu verbessern.
  • Kontinuierliche Iteration : Über einen Zeitraum von sechs Monaten folgten mehrere Zyklen aus Tests, Analysen und Korrekturen in enger Zusammenarbeit mit den Parkverantwortlichen. Durch diesen kontinuierlichen Austausch konnten die Fehlerspannen schrittweise reduziert werden, bis das angestrebte Zuverlässigkeitsniveau erreicht war.

Die Ergebnisse

Der Park verfügt heute über präzise Echtzeitdaten zu den Besucherströmen auf der Seebrücke. Die Analysen zeigen beispielsweise, dass die Spitzenwerte an Wochenenden regelmäßig zwischen 1.500 und 1.600 Besuchern liegen. Diese Erkenntnisse ermöglichen es den Parkverwaltern, gezielt Zugangskorridore zu planen, die motorisierten Rettungskräften vorbehalten sind, Patrouillenzeiten festzulegen und potenzielle Überlastungssituationen frühzeitig zu antizipieren.

Die gewonnenen Daten dienen zudem als fundierte Grundlage für konkrete Maßnahmen vor Ort: Dazu zählen die Installation einer verstärkten Beschilderung, klarere Hinweise für Besucher sowie spezielle bauliche oder organisatorische Vorkehrungen, um die Durchfahrt von Rettungsfahrzeugen selbst in stark frequentierten Bereichen jederzeit sicherzustellen.

Nicht zuletzt hat das Projekt auch die Zusammenarbeit zwischen dem Park und Eco-Counter nachhaltig gestärkt. Die Verantwortlichen heben insbesondere die hohe Reaktionsfähigkeit des Supports sowie die Fähigkeit der Teams hervor, zuzuhören, sich anzupassen und Lösungen gemeinsam langfristig weiterzuentwickeln.

 

Die Lektionen

Gardes du parc de la jetée de PrerowTechnische Leistung allein reicht nicht aus. Erst das Zusammenspiel von Technologie und menschlicher Expertise - Unterstützung vor Ort, Forschung & Entwicklung sowie kontinuierliche Anpassungen - ermöglichen es, die Versprechen zu halten. Ohne dieses Zusammenspiel stoßen selbst die besten Systeme schnell an ihre Grenzen.

In einem Umfeld, in dem Notfall- und Sicherheitsaspekte im Vordergrund stehen, werden Daten zu einem unverzichtbaren Werkzeug. Sie dienen nicht nur der reinen Zählung, sondern ermöglichen es, den Zugang für Rettungskräfte sicherzustellen und Risiken durch Überfüllung frühzeitig zu erkennen und zu antizipieren.

Vertrauen entsteht durch Transparenz und schrittweise Verbesserung. Dazu gehört, anfängliche Schwächen früh zu identifizieren, Fortschritte offen zu teilen und Korrekturmaßnahmen klar zu kommunizieren. Auf diese Weise lassen sich langfristige und belastbare Kundenbeziehungen aufbauen.

Die langjährige Partnerschaft zwischen Eco-Counter und dem Park hat genau diese Iterationen ermöglicht. Sie verdeutlicht, was Kundenbetreuung in einem anspruchsvollen Markt wirklich bedeutet: nicht nur ein Produkt zu liefern, sondern eine verlässliche Dienstleistung über die Zeit hinweg sicherzustellen.

Schließlich erinnert dieses Projekt an eine zentrale Erkenntnis: Hohe Investitionen in Infrastrukturen – wie diese 720 Meter lange Seebrücke – entfalten ihren vollen Wert nur dann, wenn sie von einem konsequenten Management der Verkehrsströme und robusten Sicherheitsprotokollen begleitet werden.

Titelbild: © C. Roedel
Bild Ranger: © K. Bärwald

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